Die Entwicklung der Jagd im Gäu – Von der Französischen Revolution bis zur Reviervergabe

Die Französische Revolution brachte tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen – auch im Bereich der Jagd. Was früher ein Privileg der „Gnädigen Herren“ und städtischen Obrigkeiten war, wurde nun im Sinne von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit für alle zugänglich. Jeder, der sich um eine Jagderlaubnis bemühte und ein sogenanntes Jagdpatent erwarb, durfte jagen.

Doch diese Öffnung hatte Folgen: 

  • Kleine Raubtiere wie Füchse, Marder und Wiesel sowie insbesondere Raubvögel nahmen stark zu. 
  • Der Kanton sah sich gezwungen, Abschussprämien auszurichten – sogar für Uhus, Fischreiher und Elstern.  
  • Rehwild und Hasen, begehrte Wildarten für den Braten, wurden stark dezimiert.
  • Nach dem Ersten Weltkrieg waren Felder und Wälder nahezu leergeschossen, die Wilderei florierte, und die geltenden Gesetze wurden kaum beachtet.

 Ein neues Jagdgesetz 1927 legte der Kanton dem Volk erstmals ein Gesetz über Jagd und Vogelschutz vor. Es sah die Einführung der Revierjagd vor: Ein klar abgegrenztes Gebiet – bestehend aus einer oder mehreren Gemeinden – sollte der meistbietenden Jägergruppe zur Bejagung überlassen werden, mit klaren Rechten und Pflichten.

Der erste Anlauf scheiterte knapp – in Neuendorf wurde das Gesetz zwar mit 112 Ja zu 27 Nein angenommen, kantonal jedoch abgelehnt. 1931 wurde es dann deutlich angenommen (Neuendorf: 150 Ja zu 28 Nein), und 1932 fanden die ersten Reviersteigerungen statt.

 Revier Nr. 40 – Neuendorf & Umgebung Seitdem umfasst das Revier Nr. 40:

  • die Gemeinden Neuendorf und Wolfwil

  • sowie Teile von Kestenholz, Oberbuchsiten, Niederbuchsiten, Egerkingen, Härkingen und Fulenbach

  • mit einer Gesamtfläche von 1880 ha, davon rund 550 ha Wald

Alle acht Jahre wird das Revier neu zur Steigerung gebracht. Das Jagdgesetz bevorzugt die bisherigen Pächter, sofern ein gutes Einvernehmen mit den Gemeindebehörden besteht und der jeweils neu festgelegte Jagdpachtzins akzeptiert wird.

Historische Anekdote Bei der ersten Vergabe des Reviers war der Jahrespachtpreis von Fr. 2480.– offenbar für die Gäuer Jäger zu hoch. Stattdessen bejagten drei Ärzte und zwei Juristen aus Bern und Umgebung das Gebiet bis 1940. Ob die Gäuer lieber weiter wilderten? Man weiss es nicht. Erst danach erhielt eine Jagdgruppe aus dem Gäu unter dem Präsidium von Richard Pfluger, Wirt und Landwirt in Härkingen, den Zuschlag.